25.06.14 16:24

Max-Windmüller-Gesellschaft mit Schülern in Westerbork

Als Dankeschön für den Einsatz bei der Stolpersteinaktion in Emden und bei dem Lodzprojekt hat die Max-Windmüller-Gesellschaft Schülerinnen und Schüler der BBS II Emden und der Herrentorschule Emden eingeladen, eine Exkursion in das Erinnerungs-Zentrum Kamp Westerbork in den Niederlanden zu unternehmen.


Barackenfenster in Westerbork

Eindrucksvoll: Nachbau einer Westerborker Baracke

Stelenfeld im Lager Westerbork

Deportiert: Karteikarte des Emder Juden Karl de Beer

Gruppen der BBS II Emden und der Herrentorschule mit Vertretern der Max-Windmüller-Gesellschaft vor dem Erinnerungszentrum Westerbork

Angelika Grave nahm die Einladung mit 24 Schülern der Klassen 9 und 10 der Realschule Herrentor an. Gero Conring von der BBS II Emden nutzte mit Schülern des Beruflichen Gymnasiums der Jahrgänge 11 und 12 die Gelegenheit, Archivmaterial des Roten Kreuzes zu recherchieren in Hinsicht auf Emder Juden, die über das Durchgangslager Westerbork in die Todeslager nach Polen deportiert wurden. Das von der niederländischen Regierung erstellte Internierungslager für jüdische Immigranten aus Deutschland und Österreich wurde nach der Besetzung durch die Deutschen von der SS als Durchgangslager für alle Juden in den Niederlanden genutzt. Auch Anne Frank wurde mit ihrer Familie von hier aus nach Bergen-Belsen deportiert. Ebenso wurde Max Windmüller mit seiner Familie in das Lager eingeliefert. Er konnte sich aber vor der Registrierung als einer der wenigen Flüchtigen unter schmutziger Lagerwäsche aus dem Lager heraustransportieren lassen. Auf den gesichteten Karteikarten wurde neben dem Einlieferungsdatum das Datum der Deportation in den Osten vermerkt. Bei Karl de Beer aus Emden waren das der 20.06.1943 und der 7.9.1943, also etwas mehr als vierzehn Tage Aufenthalt im Lager. Vorher war er nach der Ausreise aus Deutschland in Amsterdam wohnhaft. Im Lager wurde bewusst ein scheinbar normaler Alltag mit Schule, Krankenhaus und jüdischer Selbstverwaltung aufrechterhalten. Keine Grausamkeit sollte die Menschen im Lager verunsichern und auf das tatsächliche Schicksal im Osten Rückschlüsse zulassen. Besonders beeindruckte die Schüler in diesem Zusammenhang das Beispiel eines kränklichen Babys, welches mit viel Aufwand in einem damals in den Niederlanden neuartigen Inkubator aufgepäppelt wurde. Drei Monate später wurde das Neugeborene mit der Mutter nach der Ankunft in Ausschwitz vergast. Schülerin Alina Büker meinte dazu: „Wie böse, wie perfide muss der Mensch sein, der in dem Wissen von der späteren Deportation die Genesung des Babys in die Wege leitet. Der Zweck bestand ja wohl nur darin, den anderen Lagerbewohnern zu zeigen, dass man alles unternehme für die Schwachen und Kranken!“ Als Vertreter der Max-Windmüller-Gesellschaft begleiteten Traute Hildebrandt, Edda Melles und Dr. Rolf Uphoff die Schüler, vom Arbeitskreis Stolpersteine war Johanna Adickes dabei.


Dateien:
2014.06.11_OZemd_Geschichte_Westerbork.pdf534 K
2014.06.17_EZ_Geschichte_Westerbork.pdf337 K