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Die größte Strafe für alle, die sich nicht für Politik interessieren, ist, dass sie von Leuten regiert werden, die sich für Politik interessieren. (Arnold Toynbee)
Der Begriff „Kompetenz“ hat in der bildungspolitischen Diskussion der letzten Jahre eine erstaunliche Karriere gemacht. So nennen sich z.B. Berufsbildende Schulen neuerdings „Kompetenzzentren“. Und schon 1991 hat die Kultusministerkonferenz der Berufsschule den Bildungsauftrag gegeben, „die Fachkompetenz mit allgemeinen Fähigkeiten humaner und sozialer Art“ zu verbinden, d.h., im allgemeinbildenden Unterricht sollen die außerfachlichen Kompetenzen vermittelt werden.
1994 gab es mit den neuen „Rahmenrichtlinien Politik“ in Niedersachsen nicht nur die Umbenennung des Faches „Gemeinschaftskunde“ in das Unterrichtsfach „Politik“, sondern auch eine völlige Umstrukturierung. Es werden keine konkreten Unterrichtsthemen mehr vorgeschrieben, sondern nur noch didaktische Prinzipien, Qualifikationen und sechs vage Handlungsfelder. Auch die Umbenennung des Faches schien einigen suspekt: „Gemeinschaftskunde“ klang irgendwie harmonischer als „Politik“.
Die „neuen“ Richtlinien sind für fast alle Schulformen und Schulstufen an den Berufsbildenden Schulen verbindlich und sie sind bis heute gültig geblieben. Die steigende Zahl von Klassen, die regelmäßig am Bundeswettbewerb der Bundeszentrale für politische Bildung teilnehmen (siehe: www.bbs2-emden.de), deutet jedenfalls darauf hin, dass die „neuen“ Richtlinien in der Schulpraxis gelebt werden. Allerdings zeigen wissenschaftliche Untersuchungen auch: Je ambitionierter Richtlinien formuliert sind, desto weniger findet sich von ihnen in der Schulpraxis wieder.
Gegen Ende der Berufsausbildung gilt dann nur noch der geheime Lehrplan: WiSo-Themen. Die Schülerinnen und Schüler haben inzwischen gelernt, „sich für ihre Interessen einzusetzen“ und sind „konfliktfähig“. Also fordern sie spätestens im letzten halben Jahr vor der Abschlussprüfung das gezielte Üben der IHK-Themen. Die WiSo-Abschlussprüfung ist sozusagen der geheime Lehrplan, der vom Ende der Berufsausbildung her die Didaktik und Methodik des Politikunterrichts stark beeinflusst. Lehrer müssen im Politikunterricht oft Geduld aufbringen, weil es Schülern/Auszubildenden schwer fällt, Gegensätzlichkeiten auszuhalten, und sie beim Urteilen ein Entweder-oder-Schema verwenden. Spätestens bei den Mehrfachwahlaufgaben ist die Welt für diese Schüler wieder in Ordnung: Eine Frage, fünf Auswahlantworten, und eine Antwort ist richtig. Als Politiklehrer kann man dann den Auszubildenden manchmal nur noch statistisches Erfahrungswissen vermitteln: „Wenn du mit allen Auswahl-Antworten nichts anfangen kannst, dann wähle die längste.“
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