2.11.19 09:40
Von: MPE (HEK)

135 Gymnasiasten des Beruflichen Gymnasiums der BBS II erleben Erich Kästners „Fabian" als Inszenierung im Neuen Theater


Die Gymnasiasten gemeinsam mit ihren Lehrkräften Hedda Laqua, Mareike Peters und Anika Braun im Foyer des Neuen Theaters

Am Dienstagabend, dem 23. Oktober, trafen 135 SchülerInnen des Beruflichen Gymnasiums der BBS II Emden zusammen, um sich der Lebenswelt des Germanisten Dr. phil. Jakob Fabian, einer Romanfigur von Erich Kästner, zu widmen. Das Stück basiert auf dem gleichnamigen Großstadtroman des bekannten deutschen Autors, der 1931 erstmalig unter einer starken Zensur des Verlags herausgegeben wurde. Erst 2013 wurde Kästners Werk, in dem es um das Leben am Vorabend der „Machtergreifung“ durch die Nationalsozialisten in Berlin geht, ohne Zensur unter dem Titel „Der Gang vor die Hunde“ veröffentlicht. Durch den Protagonisten Fabian spiegelt Kästner die Empfindungen, Ängste, Depressionen, Oberflächlichkeiten, Grausamkeiten, den moralischen Verfall sowie die gesellschaftliche Maxime der Menschen dieser Zeit äußerst plastisch und empathisch wieder. Autobiografische Züge Kästners lassen sich erahnen. Die Ohnmacht gegenüber den politischen Geschehnissen, der angsterfüllte Blick in die Zukunft Europas und die bodenlose Hoffnungslosigkeit durch die massiven Arbeitsmarktprobleme werden deutlich.

Durch die fantastische Leistung der Schauspieler der Landesbühne Niedersachsen Nord wurden die SchülererInnen in den Bann gezogen und erlebten hautnah die facettenreichen Emotionen des Jakob Fabian: seinen Schmerz, seine Leidenschaft, seine Liebe, seine tiefe Freundschaft, seine Hoffnungslosigkeit und seine Ehrlichkeit sowie seinen unerwarteten, fast spöttischen Tod.

Die Satire galt den Nationalsozialisten als entartet: Aufgrund dieses Romans wurden die Werke Erich Kästners anlässlich der Bücherverbrennung 1933 in Deutschland unter dem Vorwurf der Pornografie verbrannt. Zwar wird die sexuelle Freizügigkeit der 1920er und frühen 1930er Jahre behandelt, der Vorwurf der Pornografie ist jedoch nicht zu begründen.

Der Roman soll wohl vor allem zeigen, dass es Fabian als Moralisten unmöglich war, im Strom der Unmoral mitzuschwimmen. Kästner wollte warnen und entwirft ein pessimistisches Bild der Gesellschaft – im Großen wie im Kleinen. Er wirft Fragen zum Wesen der Menschen und zur Utopie des Friedens und eines humanen Zusammenlebens auf.

Die Jahrgänge 11, 12 und 13 des beruflichen Gymnasiums hatten sich bereits im Vorfeld intensiv mit dem Roman befasst, da Kästners Satire unter anderem Schwerpunktthema im Fach Deutsch im Abitur 2020 sein wird. Der Deutsch-Grundkurs unter Leitung von Anika Braun drehte bereits in Eigenregie Kurzfilme zum Roman.

Die begleitenden Lehrkräfte Anika Braun, Hedda Laqua und Mareike Peters sehen es sehr positiv, dass die thematischen Inhalte des Unterrichts durch die Inszenierung der Landesbühne auf ein vertiefendes Niveau gehoben wurden und die SchülerInnen abseits ihrer täglich genutzten Kommunikations- und Unterhaltungsmedien durch den Besuch eines Theaterstücks ihren kulturellen Horizont erweitern und öffnen. Im folgenden Unterricht wird sicherlich noch ausführlich über den Abend, die Schauspieler, die Umsetzung sowie persönliche Erfahrungen der SchülerInnen evaluierend gesprochen werden.

Etliche SchülerInnen erkannten, dass viele Aspekte von Kästners Kritik auf heutige gesellschaftliche und politische Problemfelder zu übertragen sind. Auch gerade deshalb regte das Stück zum intensiven Nachdenken über die eigene Lebenswelt und den Umgang mit Politik, mit Menschen und eigenen Moralvorstellungen sowie der Verantwortung für die Gesellschaft an.

Stimmen der SchülerInnen:

„Die Schauspieler waren der Hammer. Ihre Ausstrahlung, Mimik und Gestik haben das Stück wirklich spannend gemacht.“

„Ich war zu jung dafür.“

„Es war schön, mal wieder eine andere Form der Unterhaltung zu erleben. Ich bin begeistert von der Leistung und dem Enthusiasmus der Schauspieler.“

„Ich konnte zu jeder Zeit den Roman und seine Idee erkennen.“

„Der Ideenreichtum für die Umsetzung war grandios.“

„Die Szene, in der Fabian und die Eltern von Labude erfahren, dass der Selbstmord auf einem Missverständnis und Böswilligkeit beruht, war Gänsehaut pur. Der Schauspieler ging an seine physischen Grenzen beim Spielen.“