29.10.19 20:07
Von: HEK

„Krieg - um nichts anderes kreisen die Gedanken.“

Buchautor Zekarias Kebraeb liest im Rahmen der Interkulturellen Woche in der Pausenhalle der BBS II Emden aus seinem Buch „Hoffnung im Herzen, Freiheit im Sinn - Vier Jahre auf der Flucht nach Deutschland.


Hoffnung im Herzen, Freiheit im Sinn

Der kommissarische Schulleiter Gero Conring (links) begrüßt Zekarias Kebraeb

Zekarias Kebraeb während seiner Lesung

Ein Blick in die gut besetzte Pausenhalle der BBS II

Am letzten Donnerstag fand an den BBS II Emden eine Lesung mit Zekarias Kebraeb statt. Der inzwischen vielbeachtete Autor las in der gut besetzten Pausenhalle aus seinem Buch „Hoffnung im Herzen, Freiheit im Sinn - Vier Jahre auf der Flucht nach Deutschland“ und berichtete eindrücklich von seiner langen und beschwerlichen Flucht aus dem nordafrikanischen Eritrea, die ihn schließlich nach Deutschland führte.

In seiner Heimat Eritrea stand Zekarias Kebraeb im Jahr 2002 nach bestandenem Abitur vor einer alternativlosen Zukunft: allein der von der Regierung zwangsweise auferlegte unbefristete Militärdienst in der größten Armee Subsahara-Afrikas wartete auf ihn. Perspektiven boten sich dem jungen Mann in dem von Korruption und Krieg gebeutelten Land nicht. Es war für ihn nach eigener Aussage vielmehr „das größte Gefängnis der Welt“. Die Flucht wurde zu seiner einzigen Hoffnung auf ein neues Leben. Allein 4000 Dollar ließen es sich die Schlepper kosten, Kebraeb aus dem Grenzgebiet in den benachbarten Sudan zu bringen. Von der sudanischen Hauptstadt Khartun führte der Weg für den gläubigen Christen über Libyen nach Europa. Sowohl die Route durch die Sahara als auch der Weg über das Mittelmeer kosteten den jungen Flüchtling beinahe das Leben. Eindrucksvoll schildert Kebraeb während seiner Lesung, wie er zweimal dem sicher geglaubten Tode nur knapp entrinnen konnte.

Schnell muss der geflüchtete junge Mann erkennen, dass auch das Leben in der Schweiz - dorthin gelangte er über Italien - nicht jenes war, welches er sich es erträumt hatte. Zwar bot ihm der Alpenstaat eine Grundversorgung, eine Perspektive hatte er ohne Papiere jedoch nicht. In ihm reifte also nach und nach der Entschluss heran, weiter nach Skandinavien zu ziehen. Dafür musste er jedoch Deutschland durchqueren. Ausdrucksvoll schilderte Kebraeb den zuhörenden Schülerinnen und Schülern, dass die nationalsozialistische Vergangenheit Deutschlands große Angst vor den Deutschen in ihm hervorrief. Letztlich wurde er auf dem Weg nach Schweden in Oldenburg von der Polizei verhaftet und wegen illegaler Einreise zu einer dreimonatigen Gefängnisstrafe verurteilt. Ein Hungerstreik seinerseits folgte.

Der heute in Nürnberg lebende Kebraeb veröffentlichte im Jahr 2011 jenes Buch über seine Flucht. Es folgten Fernsehauftritte und ein persönliches Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. Er kämpft weltweit für die Rechte seiner eritreischen Landsleute und macht auf Fluchtursachen und Fluchtbedingungen aufmerksam.

Der kommissarische Schulleiter Gero Conring freut sich sehr über die vielen interessierten Schülerinnen und Schüler, die der Einladung zur Veranstaltung mit Zekarias Kebraeb gefolgt sind: „Die Auseinandersetzung mit Fluchtursachen und Fluchtbedingungen, wie sie im Rahmen der Lesung eindrucksvoll geschildert wurden, ist eine wichtige Voraussetzung für gegenseitiges Verständnis und ein respektvolles gesellschaftliches Miteinander.“