10.09.19 14:02
Von: CON/HEK

SchülerInnen der BBS II Emden begleiten 45 Israelis in Emden und nach Sengwarden


Jacob Waiman liest auf dem Jüdischen Friedhof den Text auf dem Grabstein des in Emden verstorbenen siebzehnjährigen Moshe Ben Abraham

Neun Israelis (im Boardinghaus auf dem Kasernengelände in Emden), die als Kinder oder Jugendliche in Emden und Sengwarden lebten bzw. dort geboren wurden

Tee-Empfang des Oberbürgermeisters Bernd Bornemann für die Exodus-Passagiere und deren Nachfahren

(v.l.) Gero Conring (BBS II Emden), Izac Rozman (Organisationsteam „Exodus 1947“, OB Bernd Bornemann mit der „Exodus-Medaille“ während des Tee-Empfangs

Leon Schumacher (Berufliches Gymnasium der BBS II Emden) berichtet von der Erinnerungsarbeit in der Stadt Emden während des Tee-Empfangs im Rummel des Rathauses am Delft

Ehemalige Passagiere der „Exodus“ und deren Nachfahren besuchten vom 5. September bis zum 7. September 2019 Emden und Sengwarden/Wilhemshaven. Der Oberbürgermeister der Stadt Emden hatte am vergangenen Donnerstag zu einem Teeempfang in den Rummel des Rathauses am Delft eingeladen. In Anwesenheit von Vertretern des Rates der Stadt Emden hieß OB Bernd Bornemann die israelischen Gäste willkommen.

Vor 72 Jahren erreichte das damals mit etwa 4500 jüdischen Passagieren vollkommen überbelegte Schiff „Exodus“ den Hafen von Haifa. Dort wurde den heimatlosen Flüchtlingen und KZ-Überlebenden jedoch von der britischen Mandatsmacht die Einreise verweigert. Stattdessen wurden sie auf drei Schiffe verteilt und nach Deutschland geschickt – letztlich auch nach Emden und Sengwarden. 2342 Menschen lebten 1947/48 etwa neun Monate in der unzerstörten Kaserne der Stadt Emden, bis sie in den zwischenzeitlich gegründeten Staat Israel ausreisen konnten. Eine Dokumentationstafel wurde am 9. September 2016 im Eingangsbereich zur ehemaligen Kaserne Emden von den Schülerinnen Frauke Huismann und Nina Stifter (Berufliches Gymnasium der BBS II Emden) enthüllt. Zu diesem Anlass waren seinerzeit Zippy Portnoy, die als Baby im Emder Lager gelebt hatte, und Izac Rozman - dessen Vater war einer der Anführer unter den Flüchtlingen - nach Emden gekommen. Diesmal war unter den Organisatoren auch Michal Rozman, die Tochter von Izac Rozmann.

Ein neues Denkmal in Sengwarden/Wilhelmshaven erinnert an die Passagiere des Schiffes „Exodus“, die in der Jadestadt auf ihre Ausreise nach Israel warten mussten. SchülerInnen der BBS II Emden und des Max-Windmüller-Gymnasiums Emden begleiteten die Reisegruppe nach Sengwarden.

Die Schüler Leon Schumacher, Fabian Meyeraan, Femke Janssen, Sara Everwien, Thees Hoogestraat, Romeu Martinho, Sonka Wolff und Lea Clausen des Beruflichen Gymnasiums der BBS II Emden begleiteten mit Ihren Lehrern Gundula Thieme und Gero Conring die israelische Reisegruppe von Donnerstag bis Sonnabend. Besonders beeindruckt zeigten sich die Schüler von dem Kaddisch (einem jüdischen Totengebet) für den siebzehnjährigen Holocaustüberlebenden Moshe Ben Abraham, der 1948 in Emden an einer Krankheit verstarb und in der Seehafenstadt beigesetzt wurde. Während der drei Tage kam es zu vielen Gesprächen, die den deutschen Schülern das Schicksal der Exodus-Flüchtlinge näherbrachte. Geschichte der besonderen Art: „oral history live“.

Der Geschichtslehrer und kommissarische Schulleiter Gero Conring freut sich sehr über die Teilnahme der Schüler an den Veranstaltungen, die weit über die reguläre Unterrichtszeit hinausging: "Der direkte Kontakt mit Zeitzeugen macht Geschichte auf eine einzigartige Weise lebendig und greifbar. Ich danke allen Schülerinnen und Schülern für ihren Einsatz."