28.01.19 16:44
Von: HEK

Großes Interesse an Filmprojekt "Eine Reise nach Lodz“


Gero Conring berichtet über das Filmprojekt

Das Plakat zur Filmpräsentation

Schülereindrücke während des Besuchs der ehemaligen jüdischen Schule in Leer im November 2018

Die deutsch-polnische Schülergruppe während des Austauschs im November 2018

Volle Konzentration: Die Schüler bereiten sich auf die Gedenkveranstaltung für den 9. November 2018 vor

Am heutigen Montag, dem 28. Januar, wurde vor voll besetzten Reihen der erste Teil des Films „Eine Reise nach Lodz“ von Ulrich Scholz präsentiert. Gegenstand des Films ist ein Schüleraustauschprojekt der BBS II Emden und dem Polytechnischen Liceum im polnischen Lodz (Zespól Szkól Politechniki Lódzkiej). Initiiert wurde das Projekt im Jahr 2011 von Geschichtslehrer Gero Conring und Dr. Rolf Uphoff, dem Leiter des Emder Stadtarchivs. Außerdem wird es von Alfred Weese, Dozent im Bereich Erinnerungsarbeit an der Hochschule Emden/Leer, unterstützt.

Seit 2012 begleiten Gero Conring und Dr. Rolf Uphoff regelmäßig Schüleraustausche, die sowohl in Lodz als auch in Emden stattfinden und an denen bislang ca. 120 polnische und deutsche Schüler teilgenommen haben. Neben dem kulturellen Austausch und der Völkerverständigung spielt das Schicksal der letzten ostfriesischen Juden, die im Oktober 1941 von Emden über Berlin in das Getto von Litzmannstadt - wie Lodz während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg hieß - deportiert wurden, eine sehr große Rolle.

Der Film „Eine Reise nach Lodz“ stellt das Projekt anhand des aktuellen Schüleraustauschs dar, der mit dem Besuch der polnischen Schülerdelegation Anfang November 2018 begonnen hat. Ein Höhepunkt des Austauschs war die Mitgestaltung der Gedenkveranstaltung zur Pogromnacht am 9. November und der anschließenden Einweihung einer neuen Gedenktafel in den Räumen der VHS Emden. Der zweite Teil des Films wird im März dieses Jahres gedreht, wenn sich die BBS II-Schüler gemeinsam mit Rolf Uphoff und Gero Conring zum Gegenbesuch nach Lodz aufmachen. In Lodz wird die Gruppe u. a. ihre Recherche im Staatsarchiv fortsetzen, um weitere Hinweise auf den Verbleib der ostfriesischen Juden nach ihrer Deportation in das Getto Litzmannstadt zu finden und um ihre letzten Lebensmonate nachzuzeichnen.

Neben ihrem geschichtswissenschaftlichen Nutzen dienen die Rechercheergebnisse zudem der Findung neuer Geschichtsprojekte, z. B. in Form der Biographiearbeit, durch die die jeweiligen Opfer ihre Lebensgeschichte zurückerhalten und ihre Schicksale für Lernende greifbarer werden.


Der Geschichtslehrer und stellvertretende BBS II-Schulleiter Gero Conring ist begeistert von der großen Anzahl an Schülerinnen und Schülern, die sich für das Filmprojekt und die damit verbundene Erinnerungsarbeit interessieren: "Es stimmt mich froh, dass so viele junge Menschen weiterhin die Auseinandersetzung mit den schlimmen Ereignissen des Holocaust suchen. Die Erinnerungsarbeit wird wichtiger denn je, gerade auch deshalb, weil es kaum noch Zeitzeugen gibt, die uns hautnah von den Ereignissen berichten können."

 

 

Hintergrund:

Auf Anregung der Historikerin Dr. Andrea Löw, die am Institut für Zeitgeschichte München-Berlin tätig ist, entwickelten Gero Conring und Dr. Rolf Uphoff 2011 die Idee eines Schüleraustausches der BBS II Emden mit einer Schule in Lodz. Mit Unterstützung des „Centrum Dialogu Lodz“ wurde der Kontakt zu verschiedenen Schulen hergestellt. Die Arbeit im Staatsarchiv Lodz, im Stadtarchiv Emden und im Landesarchiv Aurich steht dabei im Fokus der gemeinsamen Aufarbeitung der Geschichte. Das Projekt wurde 2014 mit dem Schülerfriedenspreis des Landes Niedersachsen ausgezeichnet.


Weitere Informationen zum Projekt erhalten Sie unter folgendem Link: