20.08.18 14:59
Von: HEK

… und das Geheimnis der Kordel


Das Programmheft zum Gottesdienst mit einer der Kordeln

Berufsschulpastor MIchael Schaper heißt alle Anwesenden herzlich willkommen

Die mitwirkenden Lehrkräfte Gundula Thieme und Tido Schobert während der Bibellesung

Aus vielen Kordeln wird ein Netz, mit dabei sind u. a. die Lehrkräfte Gundula Thieme, Tido Schobert und Heiko Janssen

Am vergangenen Freitag lud Berufsschulpastor Michael Schaper gemeinsam mit der Fachgruppe Religion, vertreten durch die Lehrkräfte Gundula Thieme und Tido Schobert, zum diesjährigen Gottesdienst zum Schulbeginn der BBS II Emden ein, der aufgrund des durchwachsenen Wetters nicht wie gewohnt im Amphitheater der Schule, sondern in der Baptistenkirche am Steinweg stattfand.

Bevor sie sich hinsetzten, stutzten die Gottesdienstbesucher erst einmal, denn auf jedem ihrer Plätze lag eine Kordel unterschiedlicher Länge. Was es mit dieser auf sich hatte, sollte erst im Laufe der Veranstaltung klar werden. Einen ersten Anhaltspunkt gab die Lesung aus dem alttestamentarischen Bibelbuch Prediger, in dessen Kapitel 4 die Kordel vor dem Hintergrund der Überwindung von Bedrückung, Mühe und Einsamkeit als Metapher dient. Der Verfasser des Bibelbuchs vergleicht den einzelnen Menschen mit einer Schnur, die schnell zerreißen könne. Demgebenüber habe eine aus mehreren Schnüren geflochtene Kordel eine deutlich höhere Reißfestigkeit. Ebenso verhalte es sich mit dem menschlichen Miteinander. Gemeinsam seien Menschen, so Michael Schaper, stärker, kreativer, vielfältiger und bunter. Übertragen auf die Schule betreffe dies sowohl die Beziehung von Schülern und Lehrern als auch der Schüler untereinander.

Dabei betonte der Theologe, dass der Verfasser des Bibelworts die von ihm beschriebene Gemeinschaft nicht im Sinne einer Gleichschaltung begreife. Diese führe in einer Gesellschaft niemals zu Glück, Frieden und Freiheit. Das Geheimnis der Kordel bzw. das Erfolgsrezept für eine fruchtbare und gelingende Gemeinschaft liege vielmehr in der Akzeptanz aller Unterschiede und allem Anderssein. Gerade dort, wo Menschen in all ihren Unterschieden und all ihrer Vielfalt zusammenwirkten, seien erstaunliche Dinge möglich.

Den Ausführungen von Pastor Michael Schaper sollte zum Ende des Gottesdienstes noch ein Experiment folgen. Die anwesenden Schüler und Lehrkräfte wurden aufgefordert, ihre zu Beginn erhaltenen Kordeln miteinander zu verknüpfen. Dabei verwiesen die unterschiedlichen Kordellängen symbolisch auf die Unterschiedlichkeit und Vielfalt der Anwesenden. Ziel des Experiments war es nicht, eine einzige lange Kordel zu knüpfen, sondern ein großes, tragfähiges Netz, das sowohl als Symbol für das Tragen und Getragenwerden als auch für das gemeinsame Meistern sämtlicher Herausforderungen des kommenden Schuljahres diente.