23.01.18 16:03
Von: CON (HEK)

Zurück aus Lodz mit neuen Archiv-Funden

Schüler von BBS II Emden und Max Emden begeistert von Austausch


Die Austauschgruppe BBS II/Polytechnisches Liceum vor dem Staatsarchiv

Arbeit im Staatsarchiv Lodz

Besuch der Gedenkstätte Radegast

Neue Freundschaften entstehen

Schüler im Jüdischen Museum in Warschau

Die Ausstellungseröffnung

Promenade Piotrowska bei Nacht

Begeistert kehrten zwanzig Schülerinnen und Schüler der BBS II Emden und des Max-Windmüller-Gymnasiums Emden aus Lodz und Ozorkow in Polen zurück nach Ostfriesland. Eine neue Erfahrung ... ein Austausch mit vier Schulen: Zwei Gymnasien und zwei Technische Oberstufengymnasien. Während die BBS II zusammen mit den Lehrkräften Gero Conring und Folkert Heikens empfangen wurden von Agnieszka Swica, Aleksandra Jurek und dem Schulleiter Tomasz Kozera vom Polytechnischen Liceum in Lodz, traf das Max mit den Lehrern Martin Stenke und Andreas Makus auf Monika Wolska und Agnieszka Wrzeskiewicz von der Szkola Podstawowa in Ozorkow. Alle Emder Schülerinnen und Schüler zeigten sich begeistert über die riesige Gastfreundschaft, mit der sie in Polen aufgenommen wurden.

Neben dem Kennenlernen der Unterrichtsformen an den Gastschulen standen auch gemeinsame Aktionen auf dem Programm: Während einer eintägigen Exkursion der vier Gruppen nach Warschau wurden das vor vier Jahren neu erstellte Jüdische Museum (Polin - Muzeum Historii Zydów Polskich) und das rekonstruierte Warschauer Königsschloss (Zamek Królewski w Warszawie) besucht.

Im Liceum Lodz, der Zespól Szkól Politechniki Lódzkiej, wurde die in polnischer Sprache konzipierte Auststellung zum Schicksal der ostfriesischen Juden „Reise ohne Wiederkehr – Wege in das Grauen“ unter großer Anteilnahme der Schülerschaft von Dr. Rolf Uphoff eröffnet. Die sechzehn Roll-Ups werden in der Folge noch an fünf verschiedenen Stellen in Lodz und Ozorkow gezeigt.

Die BBS II-Schüler waren im Staatsarchiv Lodz mit ihren polnischen Austauschpartner aktiv. Im Ghetto wurde während der deutschen Besatzungszeit insbesondere für die Wehrmacht produziert: Armeekleidung, Stiefel, Mützen. Tausende von Karten aus den noch vorhandenen Arbeitsmeldeunterlagen wurden durchforstet nach ostfriesischen Namen und Adressen. Da aber nur wenige arbeitsfähige Ostfriesen unter sechzig im Oktober 1941 nach Litzmannstadt deportiert wurden, war die Chance auf entsprechende Fundstücke relativ gering. Aber Archivarbeit ist mühsam und nicht immer erfolgreich. Dagegen wurden die Schüler an anderer Stelle fündig: Nach der Eingangsregistratur am Ghettoeingang wurden die Ghettobewohner auch noch an ihren jeweiligen späteren Wohnorten registriert. Von besonderem Interesse dabei sind die komplett ergänzten Randbemerkungen, die ausfindig gemacht werden konnten: die Aussage „verstorben am 2.IV.1942“ ist präzise, ebenso „verzogen im Ghetto am 14.V.1942“, aber als verhüllender Begriff ist folgende Formulierung zu sehen: „ausgewiesen am 12.V.1942“. Unter Ausweisung wurde verstanden, dass die so bezeichneten Emder, Auricher oder Norder an dem entsprechenden Tag mit der Bahn nach Kulmhof (heute Chelmno) transportiert wurden, in einer alten Mühle übernachten mussten und am nächsten Tag in einem Bus mit Motorabgasen ermordet wurden.

Die Schüler des Max aus Ozorkow, 30 Kilometer nördlich von Lodz, recherchierten mit ihren polnischen Partnern anhand von historischen Aufnahmen die heutige bauliche Situation in der Altstadt.

Neben diesen ernsten Themen kamen sich die Schüler über sportive Aktivitäten näher, zum Beispiel durch das Erklimmen einer Kletterwand im Liceum oder in einer Unterrichtsstunde in einem gerade erst eingeweihten Schwimmstadion der Olympiade-Kategorie.

 

 


Schülermeinungen zum Austausch:

Elena Gadow (Berufliches Gymnasium BBS II Emden, BG13):

Durch das Projekt „Emden-Lódz“ habe ich das Land und seine Geschichte lieben gelernt. Bei meinem Besuch konnte ich viele neue Eindrücke gewinnen und es war spannend, im Archiv nach den Spuren der ostfriesischen Juden zu suchen und auch fündig zu werden! Die Woche gab mir die Chance, neue Freunde zu gewinnen. Mit gestärkten Polnischkenntnissen, gefülltem Magen und einem Lächeln auf den Lippen kehre ich nach Deutschland zurück und freue mich auf die nächste Reise nach Polen nach dem Abitur im Juni 2018.

Focko Kleingarn (Berufliches Gymnasium BBS II Emden, BG13):

Die vergangen Tage waren für mich sehr interessant. Vor allem die Recherche im Archiv vermittelte neben den Museen einen sehr guten Eindruck von der deutsch-polnischen Vergangenheit. Neben dem historischen Aspekt konnten wir viele neue Kenntnisse über die polnische Lebensweise sammeln.

Sören Müller (Berufliches Gymnasium BBS II Emden, BG13):

Die Chance, eine neue Kultur im Nachbarland kennenzulernen, gibt es nicht häufig. Polen war bislang nicht auf meiner Wunschliste, doch gerade das macht es so spannend. In dieser Woche hatten wir alle die Möglichkeit, uns auf eine andere Kultur einzulassen - das hat sich ausgezahlt: Wir wurden mit einer grandiosen Gastfreundschaft und mit großem Interesse in Lodz empfangen. So viel wie möglich wollte jeder vom anderen lernen, so habe ich eine Menge über die polnische Gesellschaft erfahren. Ich werde auf jeden Fall nochmal nach Polen fahren ? dann mit etwas mehr Zeit im Gepäck. 

Thees Kamping (Berufliches Gymnasium BBS II Emden, BG13):

Die Woche in Polen hat mir einen guten Einblick in die Kultur und die Lebensweise der Polen gegeben. Auch wenn das Programm etwas voll war, hatte ich trotzdem noch die Möglichkeit, meine polnische Austauschfamilie kennenzulernen. Alle waren sehr freundlich, die Gastfreundschaft war überwältigend!

Janik Hinrichs (Berufliches Gymnasium BBS II Emden, BG13):

Der Schüleraustausch in Polen war für mich eine sehr interessante Erfahrung. Wir haben mit Lodz und Warschau nicht nur neue Städte kennengelernt, sondern haben auch das Leben in den Gastfamilien erlebt. So entstanden auch neue Freundschaften, die hoffentlich längere Zeit überdauern. Ein Highlight für mich war der Besuch der polnischen Hauptstadt Warschau, die sich mir von einer überwältigenden kulturellen Seite zeigte. Als Fazit kann ich sagen, dass ich jederzeit wieder nach Polen fahren würde … speziell nach Lodz.

Leon Rass (Berufliches Gymnasium BBS II Emden, BG13):

Es war sehr interessant, die Kultur und das alltägliche Leben in unserem Nachbarland Polen kennenzulernen, zumal ich vorher noch nie dort war. Es freut mich, mit offenen Armen von der Gastfamilie aufgenommen worden zu sein. Gleiches gilt auch für die Schule, Lehrer und Mitschüler. Dieser Austausch wird mir positiv in Erinnerung bleiben und es ist schön, dass so viele neue deutsch-polnische Freundschaften entstanden sind.

Mirco von Borstel (Berufliches Gymnasium BBS II Emden, BG11):

Da ich das erste Mal in Polen an einem Schüleraustausch teilgenommen habe, bin ich ohne Erwartungen mitgefahren. Ich war sehr erfreut über die Gastfreundschaft, die mir seitens der Gastfamilie und der Schule in Lódz entgegengebracht wurde. Was mich mit am stärksten beeindruckt hat, ist die Arbeit im Archiv. Die Namen und Bilder der deportierten Menschen sehen zu können und zu begreifen, dass es Menschen waren wie du und ich.